„Die Kieler Volksbühne präsentiert sich jung und frisch“

Ein Fest nach Maß – im Mittelpunkt der „Theaterzauber“ im Schauspiel

 

Jubiläumsgäste der Volksbühne in Kiel-Schilksee – Ausblick inklusive. Foto: Benno StahnMit einem anspruchsvollen Programm feierte die Volksbühne Kiel im Mai 2014 mit Gästen aus rund fünfzehn anderen Volksbühnen ihr 120-jähriges Jubiläum. Im Mittelpunkt stand die neue Gala „Theaterzauber“, die nach einem Konzept von Generalintendant Daniel Karasek erstmals Schauspiel und Ballett miteinander verband. Ein gelungener Auftakt!

Die Festreden hielten der Theaterwissenschaftler Dr. Rolf-Peter Carl, langjähriger Leiter der Abteilung Kultur im Kieler Kultusministerium, und Dr. Dieter Hadamczik, der Chefredakteur und Herausgeber des Volksbühnen-Mitteilungsblattes „Volksbühnen-Spiegel“.

Die Kulturzeitschrift im Norden „Schleswig-Holstein“, das frühere Magazin des Schleswig-holsteinischen Heimatbundes, widmete dem Volksbühnen-Jubiläum eine Titelgeschichte. Die Kieler Malerin Brigitta Borchert lieferte die Grafik „Ende der Vorstellung“ als Jubiläumsgabe. Weiteres und der Text aus der Zeitschrift „Schleswig-Holstein“ mit einem Interview des Volksbühnen-Vorsitzenden Gerd Müller über die Perspektiven der Volksbühnen-Arbeit sind im letzten inkultur-Magazin Nr. 10/2014 dokumentiert. Wenn Sie das Heft nicht mehr haben, schicken wir Ihnen es gern.

Die Volksbühne Kiel befindet sich seit einigen Jahren im Aufwind. Ob das Jubiläum einen weiteren Schub gebracht hat, wird sich zeigen. Zumindest ist es gelungen, nicht nur neue Mitglieder, sondern neue Gruppen für die Arbeit der Volksbühne hinzuzugewinnen. Die Zeitschrift „Schleswig-Holstein“ wird in jeder Ausgabe gemeinsam mit der Volksbühne ein ausgewähltes Theaterstück präsentieren und Besucherinnen und Besucher dazu einladen. Der erste Termin ist am Mittwoch, 26. November 2014, im Kieler Opernhaus mit der „Zauberflöte“ (Beginn der Vorstellung ist um 19 Uhr, exklusive Einführung für diesen Kreis um 18 Uhr). Dieses „Zauberflöten“-Event wird zum Sonderpreis über die Zeitschrift „Schleswig-Holstein“ angeboten. Mitglieder der Volksbühne können diese Veranstaltung direkt bei der Volksbühne Kiel buchen. Einzelheiten nennen Ihnen die Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle.

Louisa Kilian, die Enkelin der großen Rosemarie Kilian, hat sich in der Jubiläumsmatinee musikalisch präsentiert. Sie und ihr Partner werden in der Volksbühnen-Reihe „Musik der Kulturen“ am 3. November 2014 im Opernhaus-Foyer debütieren.

Die kulturpolitische „Landschaft“ in Schleswig-Holstein ist ganz gut aufgestellt. Sorgen bereitet der marode Zustand des Konzertsaals in Kiel. Dabei deutet jetzt alles darauf hin, dass eine Realisierung am vorhandenen Standort sinnvoll wäre. Auch der neue Intendant teilt diese Auffassung.

Wenig erfreulich ist die Situation in Schleswig. Das alte Schleswiger Theater ist unwiederbringlich kaputt. Bisherige Lösungsansätze sind gescheitert. Allerdings: Derzeit bemühen sich viele Akteure, das Theaterleben in Schleswig fortzuführen. Dabei geht es nicht nur um das Schleswiger Theater – der theatergerechte Spielort ist auch für die Zukunft des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters unverzichtbar,

Bleibt abschließend zu vermerken, dass die Zusammenarbeit der knapp sechzig Volksbühnen auf Bundesebene wieder ein wenig in Gang kommt. Nach dem ersten Volksbühnentag 2010 in Essen, als das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt war, und dem Volksbühnentag 2012 in Kassel aus Anlass der „documenta“ ist jetzt für den 20. bis 22. März 2015 der dritte Volksbühnentag in Bielefeld fest geplant. Die dortige Volksbühne feiert 110-jähriges Jubiläum, aber auch die Stadt Bielefeld ist gerade 900 Jahre jung geworden. Es gilt, ein kulturelles Terrain zu erobern, das bisher ein wenig im Abseits liegt. Die Volksbühne Kiel wird voraussichtlich mit einem Theaterbus zu dieser kulturpolitischen Tagung fahren.



„Theaterzauber“ in der Presse

Das hat uns sehr gefreut: Mit der Überschrift „Die Kieler Volksbühne präsentierte sich jung und frisch“ berichtete Anna Struck im Feuilleton der Kieler Nachrichten wie folgt:

„Für gewöhnlich wird an Geburtstagen der Jubilar beschenkt. Anders hielt es die Kieler Volksbühne und beglückte anlässlich ihres 120. Geburtstages die Zuschauer im ausverkauften Schauspielhaus unter dem Motto „Theaterzauber“ mit Delikatessen ….

Durch den Abend führte der in Kiel durch den Erfolgshit „Sekretärinnen“ bekannte Musical-Star Enrico de Pieri, der auch Kostproben seines Könnens gab (hinreißend: Scott Alans „Kiss The Air“). Als tanzendes und singendes Multitalent erwies sich Sonia Dvorak: in Auszügen aus Tschaikowskys „Schwanensee“ … als sinnlich-verruchte Marilyn Monroe aus „Der Fall M. M.“ und mit einer ergreifenden Version von Leonard Cohens „Hallelujah“…. Publikumsliebling Yaroslav Ivanenko bewies im ausdrucksstarken Pas de deux „Invisible Grace“ mit seiner fantastischen Ehefrau Heather Jurgensen, dass der ein hervorragender Tänzer ist. Auch das Schauspielensemble begeisterte: etwa mit einem herrlich missglückten Heiratsantrag von Anton Tschechow (Marius Borghoff, Claudia Friebel) und köstlichen Erzengel-Eskapaden (Rudi Hindenburg und Oliver E. Schönfeld) aus „Die Bibel von Biff“ von Christopher Moore.

So bewahrheitete sich, was der Volksbühnen-Vorsitzende Gerd Müller in seinem Grußwort treffend festgestellt hatte: Auch mit 120 Jahren ist die Volksbühne noch jung und frisch und die nächsten Jahrzehnte können kommen.“

 

 

120 Jahre Volksbühne Kiel e. V.

Die Kunst dem Volke

 

Festprogramm vom 24. bis 25. Mai 2014 - Alle konnten dabei sein

Gala der Volksbühne

Als die Volksbühne vor 120 Jahren gegründet wurde, war Klassen- und Kulturkampf angesagt. Die bildungshungrigen Arbeiter drängten in die Theater. Die jungen Intellektuellen forderten naturalistische, zeitbezogene und kritische Theaterstücke. Henrik Ibsen, Max Halbe und Gerhart Hauptmann waren die Protagonisten. Am 29. Juli 1890 nahmen 2.000 Menschen an der Gründungsversammlung der Freien Volksbühne Berlin teil. Danach folgten Altona bei Hamburg (damals noch dänisch) und Kiel. Die programmatischen Ziele: „Die Kunst soll dem Volke gehören, nicht aber Privilegium eines Teils der Bevölkerung einer Gesellschaftsklasse“.

Am 17. Mai 1884 schlug die Geburtsstunde der Kieler Volksbühne. Otto Meyer war der Gründungsvorsitzende. Die Obrigkeit verfolgte das Wirken der Volksbühne damals argwöhnisch, meinte sogar, der Verein sei eine gefährliche, umsturzfördernde Einrichtung. Und dies obwohl die Kieler Volksbühne von Anfang an deutlich machte, dass sie allen Kreisen der Bevölkerung zugänglich sein will. Nach Jahren des Stillstands kam es 1920 zu einer Wiederaufnahme der Arbeit unter Vorsitz von Edmund Söhnker, dem Vater des Filmstars Hans Söhnker. Der Nazi-Terror zerstörte die Existenz der Volksbühne, die erst 1949 unter Vorsitz von Max Wittmaack ihre Arbeit wieder aufnahm.

Das Auf und Ab der Volksbühne in Kiel sowie der Volksbühnen in den anderen Theaterstädten standen im Mittelpunkt der Jubiläumsveranstaltung. Dr. Rolf-Peter Carl hat die Entwicklung der Volksbühne Kiel in einem Artikel für die Zeitschrift „Schleswig-Holstein“ niedergeschrieben. Dr. Carl hielt auch bei der festlichen Matinee den Vortrag. Außerdem referierte Dr. Dieter Hadamczik von der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Volksbühnen-Vereine über Besuchergemeinschaften in Land und Bund. Zum Jubiläumswochenende kamen Vertreter verschiedener Volksbühnen aus Deutschland.

Zum Jubiläum erschien ein ausführlicher Text in der Zeitschrift „Schleswig-Holstein“: „Die Kunst dem Volke: Die Volksbühne Kiel e. V. wird 120 Jahre alt“.


Foto: 
Die Kieler Malerin Brigitta Borchert, Mitglied im Kuratorium der Volksbühne Kiel, hat das Bild " Gala der Volksbühne" zu einem früheren Jubiläum geschaffen. Sie wird auch das 120-jährige Jubiläum in diesem Jahr künstlerisch begleiten.

 

Grafik-Edition zum Jubiläum:
120 Jahre Volksbühne Kiel

Brigitta Borchert setzt malerische Aktzente

Ende der Vorstellung 2013

Sie ist eine herausragende Malerin in der Gruppe der „Norddeutschen Realisten“. Das Landesmuseum auf Schloss Gottorf widmete dieser „Plein-air-Gruppe“ 2013 eine große Ausstellung. Brigitta Borchert steht in diesem Künstlerkreis, der malerisch durch die Lande reist, seit 1991 im wahrsten Sinne des Wortes ihren Mann. Auf der „Gorch Fock“, im Landtag, im Theater Kiel oder an Schlei und Stör setzen die „Norddeutschen Realisten“, die 2013 mit dem Kunstpreis der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft ausgezeichnet wurden, künstlerische Akzente.

Brigitta Borchert stammt aus einer Künstlerfamilie mit einer bereits über 100 Jahre währenden Tradition. 2010 rückte die Geschichte der deutsch-baltischen Familie in zweifacher Weise in den Fokus der Öffentlichkeit: Im Juni 2010 widmeten das Nationale Kunstmuseum Lettlands und das Schwarzhäupterhaus in Riga den vier Generationen der Künstlerfamilie Borchert große Ausstellungen mit mehr als 100 Bildern. In kleinerem Umfang wurden die Werke dann in der Universitätsbibliothek zu Kiel gezeigt. Gleichzeitig entstand eine Homepage der Künstlerfamilie (famborchert.wordpress.com), die ständig aktualisiert wird.

Brigitta Borchert gab ein Buch mit den Lebenserinnerungen ihrer Großmutter heraus: „Mara. Eine Malerin zwischen Riga, Paris, Moskau, München und Berlin“. Eva-Margarete Borchert (*1878 in Riga, gest. 1964 in Berlin), genannt „Mara“, beschreibt in ihren Erinnerungen ein lebendiges Bild ihrer Kindheit und Jugend in Riga, von ihrem Leben in Paris und Begegnungen mit Picasso, Matisse, Zorn, Beckmann und Liebermann.

Angesprochen auf die lange Tradition der Künstlerfamilie Borchert antwortete Brigitta Borchert: „Man atmet den Beruf von Kindesbeinen an quasi mit der Luft ein und wird ganz automatisch dorthin geführt“ (Kieler Nachrichten, 10. Juli 2010)

Brigitta Borchert studierte von 1958 bis 1962 Malerei und Grafik an der Hochschule für bildende Künste Berlin. Viele Jahre arbeitete sie als Illustratorin für den Verlag Gruner und Jahr und war für Verlage und Werbeagenturen in ganz Deutschland tätig. Nachdem sie 1971 nach Molfsee bei Kiel übersiedelte, wurde sie 1978 Mitglied im Berufsverband bildender Künstler (BBK) Schleswig-Holstein und kann auf zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland zurückblicken. Ihre Werke sind in namhaften Museen und Sammlungen vertreten, zum Beispiel in der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, im Kieler Stadtmuseum Warleberger Hof, im Internationalen maritimen Museum Hamburg, im Landeshaus und in der Sammlung Deutsche Bank.

Neben den Plein-air Symposien der Norddeutschen Realisten - vor allem mit Landschaftsdarstellungen - versteht sich Brigitta Borchert vorrangig als Intérieur- und Porträtmalerin. So begegnen wir Malerkollegen bei der Arbeit, debattierenden Politikern im Landeshaus, Kurgästen, werden zu Zeugen privater und konspirativer Treffen in dunklen Kneipen und zu Voyeuren, die ein koketter Blick des wunderbar sinnlichen weiblichen Akts streift. Brigitta Borchert hat Freude daran, Menschen in ihren unterschiedlichen Lebensumständen zu beobachten und auf ihren Werken zu verewigen. Ihre Technik wechselt dabei von flüchtiger Bleistiftskizze über Pastellzeichnung, Aquarell bis zu ausgearbeiteten Ölbildern. Neu sind farbige Zeichnungen auf der digitalen Fläche von Tabletts. Ihre Skizzen entstehen in einem Moment äußerster Konzentration, den sie so umschreibt: „Ich zeichne atemlos, sekundenschnell verändert sich die Szenerie."

Für die Volksbühne hat Brigitta Borchert 2002 die Grafik „Gala der Volksbühne“ geschaffen; 2014 widmet sie der Volksbühne ihr Werk „Ende der Vorstellung“. Das Bild erscheint in einer hochwertigen Sonderedition für die Volksbühne im Format 36,5 x 45,4 cm als Kunstdruck. Die Grafikdrucke gibt es bei der Volksbühne Kiel und bei der Künstlerin selbst zum Preis von 25 €. Den passenden Rahmen erhalten Sie zum günstigen Preis bei unserem Partner-Unternehmen Visuell, Wall 34, 24103 Kiel.

Das Buch „„Mara. Eine Malerin zwischen Riga, Paris, Moskau, München und Berlin“ ist im Husum-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich. Für diesen Artikel wurde ein Text der Kunsthistorikerin Dagmar Rösner verwendet.

Brigitta Borchert erreichen Sie über die Webpräsenz der Künstlerfamilie Borchert unter famborchert.wordpress.com, in ihrem Atelier in Kiel-Molfsee oder per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .